© Simone Stratil
Für dieses Foto wurden keine Bücher gequält. Alle Cover stammen von Büchern, die ihr Leihleben bereits hinter sich hatten und ausgeschieden wurden.

Noch haben wir die Pandemie nicht überstanden, aber das Leben ist schon wieder ein gutes Stück normaler geworden und viele neue Abläufe haben sich eingespielt. Anlass für einen Rückblick auf die vergangenen Wochen. Wie hat die Stadtbücherei Würzburg diese so ganz anderen Zeiten erlebt?

Normalerweise haben wir immer Trubel im Haus, am Tag haben wir im Schnitt fast 1.500 Besucher*innen, veranstalteten alleine 2019 über 800 Veranstaltungen. Am 13. März hieß es dann sehr kurzfristig, dass wir ab 14. März schließen müssen. Von einem Tag auf den anderen herrschte gespenstische Ruhe im Haus. Die Stadtbücherei wurde auf „Minimalbetrieb“ umgestellt. Nur das Vorzimmer und die Leitung waren noch vor Ort, der Rest von uns arbeitete von zu Hause aus oder war an anderen Stellen in der Stadtverwaltung eingesetzt. Wer in diesen Wochen die städtische Telefonzentrale anrief, hatte immer jemanden von unseren Kolleg*innen an der Strippe, auch beim Bürgertelefon im Landratsamt waren wir vertreten.

Wer zu Hause war, sah die Kolleg*innen in regelmäßigen Online-Dienstbesprechungen. Das Social Media Team arbeitete verstärkt am Online-Auftritt, die Onleihe lief mit verstärkter Nachfrage weiter und musste betreut werden, Langeweile kannten wir trotz Lockdown nicht. Es entstanden ganz neue Projekte, wie ein digitales Kulturangebot, bei dem regionale Autor*innen in der Stadtbücherei bei Lesungen gefilmt wurden. Die Lesungen findet man auf unserem Youtube-Kanal. Auf dem Blog gab es täglich einen Beitrag zu #tododahoam, medienpädagogische Tipps für die ganze Familie.

Nach vier Wochen durften wir wieder in die Bibliothek, unsere Besucher*innen noch nicht. Wir arbeiteten erst in einem Zweischichtsystem und in Kurzarbeit, damit bei einer eventuellen Ansteckung nicht das gesamte Team in Quarantäne muss. Zum Glück blieben wir bisher alle verschont. Wir wussten zwar noch nicht, wann wir wieder öffnen dürfen und unter welchen Voraussetzungen, planten aber trotzdem schon fleißig in mehreren Teams, wie das möglich sein könnte. Das kam uns zu Gute, als wir dann doch auch wieder sehr kurzfristig erfuhren, dass wir Mitte Mai öffnen dürfen. Mit relativ kurzer Vorlaufzeit stellten wir die Bibliothek auf den Kopf, um zumindest die Ausleihe und Rückgabe von Medien wieder möglich zu machen.

Ab dem 11. Mai lief unsere Rückgabeanlage wieder an. Über 50.000 Medien waren zu dem Zeitpunkt entliehen. Die hatten wir bis Mitte Juni verlängert, in der Hoffnung, dass nicht alle gleichzeitig zurückkommen würden. Die Hoffnung wurde erfüllt, wir konnten die Rückgaben immer bewältigen.

Ab dem 18. Mai dürfen auch endlich wieder Besucher*innen ins Haus. Es gab viele Veränderungen, unseren Eingang mussten wir an den Hahnenhof verlegen, damit wir ein Einbahnstraßensystem einführen konnten. Die Gerätenutzung wurde stark eingeschränkt, unser Lesecafé ist geschlossen, Tageszeitungen können wir gerade nicht anbieten, es stehen keine Sitzplätze zur Verfügung. Trotzdem war die Freude bei vielen Besucher*innen und auch uns groß, dass es überhaupt endlich wieder weitergeht. Wegen des höheren Personalbedarfs nur mit eingeschränkten Öffnungszeiten, aber immerhin, man kann wieder ausleihen!

Seit dem 22. Juni öffnen auch die fünf Stadtteilbüchereien wieder, jede an einem Nachmittag in der Woche. Wie sehr die vermisst wurden, merkten wir an den vielen Nachfragen in der Zwischenzeit. Als Ausgleich für die lange Schließzeit werden die Stadtteilbüchereien dieses Jahr auch über die Sommerferien geöffnet bleiben. Und stehen damit auch all denen zur Verfügung, die in diesem Jahr vielleicht doch nicht in Urlaub fahren.

Viele Dinge des normalen Bibliotheksalltags fehlen nicht nur unseren Besucher*innen, sondern auch uns. Bis es wieder so sein wird wie früher, wird es noch eine Weile dauern. Wir haben in der Zeit gelernt, kurzfristig zu reagieren und uns immer wieder auf neue Arbeitsweisen und Möglichkeiten einzustellen. Auch jetzt überlegen wir natürlich weiter, was wann und wie wieder möglich sein wird, wir passen ständig unser Angebot an und machen möglich, was geht.

In den vergangenen Wochen bekamen wir viel Wertschätzung von unseren Besucher*innen gezeigt. Die sich so sehr freuten und uns das auch sagten, als wir wieder da sein durften. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Gemeinsam stehen wir auch die noch kommende Zeit gut durch.

Aktuelle Informationen über die Öffnungszeiten oder was gerade wie funktioniert, findet man auf unserer Homepage. Oder man abonniert unseren Newsletter, der normalerweise monatlich mit Veranstaltungshinweisen erscheint. Aktuell aber auch zu wichtigen Änderungen informiert.

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Die Stadtbücherei Würzburg im Corona-Modus

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