Was für ein Bücherherbst! Referentin Isabel Fraas zeigte sich begeistert von den Roman-Neuerscheinungen. In der Kooperationsveranstaltung “Bücher der Saison” zusammen mit der Domschule Würzburg stellte sie uns ihre persönlichen Lese-Highlights vor und gab einen Überblick über lesenswerte Romane in diesem Herbst.
Deutscher Buchpreis
Kürzlich fand die Frankfurter Buchmesse statt und damit auch die Verleihung des Deutschen Buchpreises. Unsere Referentin fand die Longlist für den Buchpreis bereits hochkarätig besetzt. Mit “Die Lücken” von Shida Bazyar hat ein herausragender Roman diesen Preis gewonnen. Ein hochkonzentrierter und komplex geschriebener Roman, der ein reiches Beziehungsgeflecht beinhaltet. Gleichwohl die Figuren aber stellenweise typisierend wirken, so Literaturwissenschaftlerin Isabel Fraas.
In “Die Lücken” geht es um die fehlende Aufarbeitung und das kollektive Schweigen einer Gemeinde über das, was ihren jüdischen Bewohner:innen angetan wurde. Solche Lücken, die auch z. B. durch die unerzählte Familiengeschichte entstehen, werden in mehreren Romanen in diesem Bücherherbst thematisiert (“Holunderholz” von Norbert Scheuer oder “In die Schweiz” von Emma Cline).

Persönliche Leseempfehlungen der Referentin
Als ein absolutes Leseerlebnis empfahl unsere Referentin “Anton und Alma” von Dana Vowinckel. Die Beziehung zwischen den Studierenden Anton und Alma ist schwierig. Anton ist Jude und beide spüren die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Die Ereignisse um den 7. Oktober verstärken diese Polarisierung.
Auf internationaler Ebene hob Isabel Fraas den Roman “In die Schweiz” der Autorin Emma Cline hervor. Sicherlich ein ernstes Thema, da die Geschichte eines Verfalls in die Demenz beschrieben wird. Der Protagonist möchte in der Schweiz einen assistierten Suizid durchführen. Davor muss er Einiges in seiner Familiengeschichte aufarbeiten. Die außerordentliche Erzählweise macht diesen Roman so elektrisierend, da die Autorin ihre Figuren mitreißend skizziert, obwohl diese unaufhaltsam auf einen Abgrund zu steuern.
Viele weitere bemerkenswerte Geschichten gibt es in dieser Saison zu entdecken, in denen sich die Weltgeschichte auf die Familiengeschichte oder den privaten Bereich auswirkt. So im amerikanischen Schmöker “Buckeye” von Patrick Ryan oder in “Kolchose” des französischen Autors Emmanuel Carrère.
International Booker Prize
Unbedingt zu erwähnen ist noch das “Taiwan-Tagebuch”. Autorin Yang Shuang-Zi wurde damit mit dem diesjährigen International Booker Prize ausgezeichnet. Schon das Buchcover ist sehenswert. Der Roman beschreibt die Reise einer japanischen Schriftstellerin und ihrer taiwanesischen Dolmetscherin durch das von Japan besetzte Tawain 1938. Die Schriftstellerin möchte nicht nur die Insel genauer kennenlernen, sondern auch die authentische Küche Taiwans.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Isabel Fraas für die tollen Buch-Vorstellungen und den kurzweiligen Abend!
Hier seht ihr die komplette Liste der präsentierten Bücher. Alle Romane sind bei uns ausleihbar. Viel Spaß beim Schmökern und bis bald in der Stadtbücherei oder bei den nächsten “Büchern der Saison” im Frühjahr!

Alice Horackova: Geteiltes Haus
Martin Piekar: Vom Fällen eine Stammbaums
Dana Vowinckel: Anton und Alma
Thilo Krause: Jetzt, wo du ein Held bist
Adèle Yon: Mein wahrer Name ist Elisabeth
Tayari Jones: Goodbye, Honeysuckle
Claudia Durastanti: Missitalia
Yang Shuang-Zi: Das Taiwan-Tagebuch (International Booker Prize 2026)
Daniel Kehlmann: Afrika (ersch. 6.11.2026)
