11. bis 17. Mai ist Mental Health Awareness Week. Psychische Erkrankungen haben immer noch ein Stigma, das es Betroffenen schwer macht, sich Hilfe zu suchen. Wer sich einen Arm bricht, geht natürlich zum Arzt, aber bei psychischen Erkrankungen gibt es häufig eine hohe Hemmschwelle, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das liegt auch an den Vorurteilen, die es immer noch gibt. Beispielsweise der Behauptung, Betroffene bildeten sich ihre Beschwerden nur ein. Bei einem Gips am Arm würde niemand so etwas behaupten.
Ein wichtiger Schritt zur Entstigmatisierung ist das Sichtbarmachen von psychischen Erkrankungen, beispielsweise in Medien. Das hilft nicht nur, Vorurteile abzubauen, sondern zeigt Betroffenen auch, dass sie nicht allein sind und es wichtig und richtig ist, sich Hilfe zu suchen.
Dass man das Thema psychische Erkrankungen gleichzeitig ernsthaft und humorvoll behandeln kann, beweist Emily Austin mit „Everyone in this room will someday be dead“.

Das Buch "Everyone in this room will someday be dead" von Emily Austin wird von einer Hand vor eine Kirchentür gehalten.
© Stadtbücherei Würzburg

Inhaltswarnung für diesen Blogartikel: Depressionen

Kommt eine atheistische Lesbe in die katholische Kirche…

… weil sie einen Flyer für kostenlose Therapie-Stunden gesehen hatte. Und landet stattdessen in einem Vorstellungsgespräch, woraufhin sie prompt die Stelle der kürzlich verstorbenen Sekretärin des Pfarrers bekommt. Da sie das Geld braucht, nimmt Gilda die Stelle an, natürlich ohne zu erwähnen, dass sie nicht nur atheistisch, sondern auch lesbisch ist. Von da an versucht sie, die Avancen eines Kirchgängers taktvoll abzuweisen; herauszufinden, ob ihre Vorgängerin wirklich eines natürlichen Todes gestorben ist und genug Energie aufzubringen, um ihre Freundin nicht ständig zu ghosten. Ehe sie sich versieht, ist sie in ein Netz von Lügen und Halbwahrheiten verstrickt – und hat immer noch nicht die Therapiestunden, die sie dringend bräuchte.

Schwere Themen unterhaltsam verpackt

Gildas Depressionen werden zwar erst am Ende als solche von ihr benannt, sind aber von Beginn an erkennbar. Dass Gilda ihrer Unfähigkeit, ihre Wohnung sauber zu halten oder auf die Nachrichten ihrer Freundin zu antworten, kaum Bedeutung beimisst, ist eine Facette dieser Krankheit. Die Art und Weise, wie sowohl ihre Eltern als auch medizinisches Fachpersonal ihre Symptome nicht ernst nehmen, ist leider auch alles andere als unrealistisch.

Trotz der nicht gerade leichten Themen bin ich nur so durch dieses Buch geflogen. Gildas lakonischer Erzählstil und ihr schwarzer Humor, gepaart mit kurzen Kapiteln sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
„Everyone in this room will someday be dead“ ist eine Lektüre, die gleichzeitig unterhaltsam ist und zum Nachdenken anregt.

Inhaltswarnung für das Buch: Tod, Suizid, Depressionen, Alkoholmissbrauch, Queerfeindlichkeit

Ein Button mit der Aufschrift "Jetzt lesen", der zu "Everyone in this room will someday be dead" im Katalog der Stadtbücherei Würzburg führt
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Buchtipp: Everyone in this room will someday be dead
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