
Unsere Azubine Marie war im Oktober und November für zwei Wochen mit ihrer Mitschülerin Joela in Groningen. Dort durfte sie im Rahmen eines Erasmus+ Auslandspraktikums im Forum Groningen mitarbeiten. In Teil 1 des Praktikumsberichts habt ihr von den Vorbereitungen für das Praktikum erfahren. Im 2. Teil hat euch Marie in die erste Woche des Praktikums mitgenommen. Heute folgt der finale Teil der Reihe, in welchem sich alles um die zweite und somit letzte Praktikumswoche dreht.
Montag: Kleintje Koffie in der Bibliothek Hoogkerk
Unsere Woche begann in der Bibliothek Hoogkerk. Dort fand da Bilderbuchkino „Kleintje Koffie“ statt, welches das Vorlesen zu einem richtigen Erlebnis macht. Im heutigen Buch drehte sich alles um das Thema Essen, weshalb die Kinder währenddessen verschiedene Lebensmittel probieren durften – von süß bis sauer war alles dabei. Dadurch wurde die Geschichte noch viel greifbarer und lebendiger.

© Marie Bonfig

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Nach dem Vorlesen blieb noch Zeit zum Malen und Stöbern, bevor es für uns weiter ins Forum ging. Dort haben wir uns mit Maurice über die verschiedenen Bibliotheksstandorte unterhalten. Spannend war vor allem, wie sehr sich die Arbeit hier von deutschen Bibliotheken unterscheidet. Ein Beispiel dafür wäre vor allem der Fokus, welchen die Büchereien haben. In Deutschland werden wir immer mehr zu dritten Orten, das heißt die Bücher rücken immer mehr in den Hintergrund. In den Niederlanden sind sie da schon viel weiter. Wir waren selber erstaunt wie wenig Bücher es im Forum gibt. Stattdessen wird viel Wert auf Lern- und Arbeitsplätze, Gemeinschaftsräume und Veranstaltungsorte gelegt.

© Marie Bonfig

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Eigentlich wollten wir danach noch ein Repair Café besuchen, das fiel aber leider aus. Dafür durften wir spontan den Film „Downton Abbey“ im Kino des Forums schauen. Kein schlechter Ersatz!
Dienstag: Kino mal anders
Am Dienstag durften wir den Bibliotheksalltag noch intensiver miterleben. Auf „Plein 3“ – der Etage mit Romanen, Krimis und auch ein paar deutschen Büchern – und später auch auf „Plein 8“ – wo sich die Sachbücher befinden – haben wir Bücher einsortiert, Vorbestellungen herausgesucht und verbucht. Besonders am Anfang mussten wir uns erst einmal zurechtfinden, da die Beschriftungen der Bücher teilweise ganz anders sind als bei uns.

© Marie Bonfig

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Mit der Zeit ging es aber immer besser, und wir bekamen ein gutes Gefühl für die Abläufe. Nach getaner Arbeit wartete dann wieder ein kleines Highlight: ein Besuch im Kino. Dieses Mal saßen wir in einem Deluxe-Saal mit Sesseln und Sofas, was einen einfachen Kinofilm zu einem ganz besonderen Erlebnis macht.
Mittwoch: Bibliothek Vinkhuizen
Am Mittwoch ging es für uns in die Bibliothek Vinkhuizen. Dort bekamen wir eine Führung und durften anschließend selbst beim Einsortieren der Medien helfen. Bei einem Gespräch mit der Leitung der Bibliothek stellten wir dann entsetzt fest, dass es in der Niederlande keine Tonie-Figuren gibt. In Deutschland sind die kleinen Figuren aus dem Bibliotheksalltag gar nicht mehr wegzudenken, deshalb waren wir geschockt zu erfahren, dass man in Groningen noch nie davon gehört hat.

© Marie Bonfig

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Am Nachmittag wollten wir eigentlich an einem 3D-Druck-Workshop teilnehmen. Leider war dieser komplett auf Niederländisch, sodass wir nicht wirklich folgen konnten. Stattdessen haben wir die Zeit genutzt, um das Forum noch weiter zu erkunden und dabei immer wieder neue Ecken entdeckt. Was bei einem 10-stöckigen Gebäude nicht verwunderlich ist. Man könnte wahrscheinlich mehrere Jahre dort arbeiten und doch hin und wieder neue Ecken entdecken. Wir nutzten die Gelegenheit, um noch einmal die Dachterrasse mit der Aussicht über ganz Groningen zu erkunden. Danach durfte ein Foto im Fotoautomat, welcher sich auch im Forum befindet nicht fehlen.

© Marie Bonfig

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Donnerstag: Fashion Repair – reparieren statt neukaufen
Der Donnerstag startete in der Kinderbücherei, dem „Wonderland“, wo wir beim Aufräumen und Sortieren helfen durften. Später konnten wir noch an einer Vorlesestunde für die Kinder teilnehmen.
Am Abend wurde es dann noch einmal richtig spannend: Beim „Fashion Repair Workshop“ ging es darum, Kleidung selbst zu reparieren. Wir haben vor allem zugeschaut, aber auch ein bisschen mitgeholfen. Dabei haben wir gemerkt, wie viel Wissen und Übung eigentlich dahintersteckt. Trotzdem war es super interessant zu sehen, wie nachhaltig solche Angebote sind und wie gut sie angenommen werden. Es ist schön zu sehen, dass man alte kaputte Kleidung nicht gleich wegwerfen muss, denn nichts ist so kaputt, dass man es nicht wieder reparieren kann.
Freitag: Let´s Gro Festival
Am Freitag stand dann ein besonderes Ereignis an: das „Let’s Gro Festival“. An diesem Wochenende soll die Zukunft von Groningen im Mittelpunkt stehen. Im Forum und in der ganzen Stadt war deshalb richtig viel los – überall gab es etwas zu entdecken. Wir haben uns Ausstellungen angeschaut, Musik gehört und einfach die Atmosphäre genossen.
Auch wenn wir nicht alles verstehen konnten, weil einiges auf Niederländisch war, haben wir unglaublich viele Eindrücke gesammelt. Die Stimmung war offen, kreativ und inspirierend.
Am Ende des Tages hieß es dann Abschied nehmen. Wir haben uns bei allen, die wir persönlich angetroffen haben bedankt und kleine Geschenke verteilt. Auch den Zweigstellen konnten wir kleine Briefe und Süßigkeiten aus Deutschland mit den Transportkisten schicken– ein schöner und auch ein bisschen emotionaler Abschluss unsere Auslandspraktikums in Groningen.

© Marie Bonfig

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The End
Mit dem Besuch des Let’s Gro Festivals ging unser Praktikum in Groningen leider auch schon zu Ende. Zwei Wochen voller neuer Eindrücke, Erfahrungen und besonderer Momente vergingen für mich wie im Flug.
Wenn ich heute daran zurückdenke, waren es zwei unglaublich intensive und zugleich wunderschöne Wochen, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich habe nicht nur das Bibliothekswesen in den Niederlanden aus einer ganz neuen Perspektive kennenlernen dürfen, sondern auch viele tolle und inspirierende Menschen getroffen.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese besondere Erfahrung im Rahmen meiner Ausbildung machen konnte. Sie hat mir nicht nur fachlich viel gebracht, sondern mich auch persönlich wachsen lassen.
Jedem, der die Chance auf ein Auslandspraktikum hat, kann ich nur von Herzen raten, sie zu nutzen. Es ist eine Erfahrung, die einen prägt und den eigenen Horizont enorm erweitert.
Für mich war es außerdem etwas ganz Besonderes, diese Zeit gemeinsam mit Joela erleben zu dürfen. Wir sind in diesen zwei Wochen noch enger zusammengewachsen, haben so viele Erinnerungen gesammelt und Momente geteilt, die uns sicher noch lange begleiten werden.
Also ein kleiner Appell an euch alle: Traut euch und wagt diesen Schritt – es wird sich auf jeden Fall lohnen!
