Kürzlich war die belgische Autorin Gaea Schoeters zu Gast bei uns in der Stadtbücherei. Mit ihren mittlerweile zwei Romanen, die aus dem Niederländischen ins Deutsche von Lisa Mensing übersetzt wurden, beeindruckt und begeistert sie viele Leser:innen. So auch die zahlreichen Literaturinteressierten bei unserer Lesung.

Mit im Gepäck hatte Gaea Schoeters nicht nur ihren aktuellen Roman „Das Geschenk“, der im letzten Sommer erschienen ist, sondern auch ihren Roman „Trophäe“, mit dem sie 2024 bei der Leipziger Buchmesse in Erscheinung trat und damit einen Sensationserfolg landete. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit ist Gaea Schoeters auch als Journalistin, Drehbuchautorin und Librettistin tätig.
Ein Einblick in das Schreibhandwerk
Der ganze Abend beginnt damit, dass Gaea Schoeters die Elefanten – eben „Das Geschenk“ – in einer tollen Eröffnungsszene in Berlin an der Spree ankommen lässt. Und damit startet ein interessanter Lesungsabend, an dem die sympathische Autorin sehr viele Fragen beantwortet. Zuallererst natürlich, wie sie auf die Idee gekommen ist, Elefanten nach Berlin zu schicken. Sie verrät uns, dass das Ganze auf einen tatsächlichen Zeitungsartikel beruht, den sie auf einer ihrer vielen Zugfahrten gelesen hat. Darin hatte der botswanische Präsident nämlich angekündigt, dass er Deutschland 20.000 Elefanten schenken möchte, um gegen das geplante Einfuhrverbot für Jagdtrophäen zu protestieren. Für die Autorin der Aufhänger um daraus eine Geschichte zu gestalten. Bis die komplette Handlung steht, setzt sich Gaea Schoeters lange mit den Figuren auseinander bis sich schließlich für sie ein imaginärer Film ergibt. Den braucht sie dann „nur“ noch aufzuschreiben. Heraus kam eine ebenso kluge wie unterhaltsame Politsatire, die viele aktuelle und globale Themen wie Postkolonialismus, Bevormundung anderer Staaten, Rechtspopulismus und Klimawandel aufgreift.
Ein Einblick in die Kunst des Übersetzens

Gaea Schoeters spricht hervorragend Deutsch. Das mussten wir natürlich unbedingt klären, wie sie das gemacht hat. Die unerwartete Antwort war, dass sie u.a. über das „Tatort“-Schauen Deutsch gelernt hat. Als sie erfuhr, dass „Trophäe“ auf Deutsch erscheinen wird, war für sie klar, dass sie diese Sprache lernen möchte. Ihr ist es wichtig, dass sie so mit ihren Leser:innen in direkten Kontakt treten kann.
Einen kleinen Exkurs in die Übersetzungstätigkeit gab uns Lisa Mensing. Sie hat die beiden Romane „Das Geschenk“ und „Trophäe“ aus dem Niederländischen übersetzt. Momentan begleitet sie Gaea Schoeters auf den Lesereisen und war an diesem Abend ebenfalls bei uns. Anhand eines sehr konkreten Beispiels aus „Das Geschenk“ konnten wir gut nachvollziehen, wie Übersetzer:innen auf die jeweiligen länderspezifischen Besonderheiten eingehen.
Der perfekte Auftakt des neuen Literatur Live Programms
Ein besonderes Highlight des Abends war, dass Gaea Schoeters zusätzlich eine kurze Passage aus ihrem ersten Roman „Trophäe“ las. In „Trophäe“ begibt sich ein Mann namens Hunter White zur Großwildjagd nach Afrika. Erschütternd und packend verwebt sie in dieser Geschichte moralische Fragen und die koloniale Vergangenheit. Keine leichte Kost, aber unbedingt lesenswert.
Wir bedanken uns sehr bei Gaea Schoeters und Lisa Mensing. Wir haben viel über Schreibprozesse und Übersetzungsarbeit erfahren. Wir hatten tolle Zuhörer:innen, die interessante Fragen stellten und hoffentlich genauso viel Freude bei der Lesung hatten wie wir.
Ein Abend, der zeigt, wie Literatur zum Nachdenken motiviert und gleichzeitig im besten Sinne unterhalten kann.
Übrigens erscheint von Gaea Schoeters bald das dritte Buch auf Deutsch: ein philosophisches Kinderbuch.
