Was kommt dir in den Sinn, wenn du das Wort Bibliothek hörst? Vor unserem Praktikum in der Stadtbücherei Würzburg hätten wir, Julia & Laura, die Frage mit „wuchtige Regale im Magazin, Regensburger Verbundklassifikation und verzweifelte Studis in der Klausurenphase“ beantwortet. Nach den letzten drei Wochen denken wir an Klassenworkshops, die Willkommenstheke, bunte Bücher und ein gut gefülltes Lesecafé mit Besucher:innen aller Altersgruppen.

Der Grund dafür ist, dass wir beide „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ an der Hochschule für den öffentlichen Dienst Bayern (HföD) in München studieren und vor allem für die wissenschaftlichen Bibliotheken ausgebildet werden. Aktuell sind wir im Praxissemester in den Bibliotheken der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Im Rahmen des Studiums durften wir jedoch die letzten drei Wochen ein Praktikum in der Stadtbücherei Würzburg absolvieren und sind in eine völlig neue Welt eingetaucht. Bibliothek ist mitnichten gleich Bibliothek!
Im folgenden Beitrag wollen wir euch gerne vorstellen, welche Unterschiede uns zwischen der öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliothek aufgefallen sind und was uns dabei überrascht hat.

Wissenschaftliche Bibliotheken: die Basis für wissenschaftliches Arbeiten

An den wissenschaftlichen Bibliotheken sind vor allem die Student:innen, Dozent:innen und Forscher:innen angesiedelt und werden von der Bibliothek mit wissenschaftlicher Literatur versorgt. Diese umfasst neben klassischen Lehrbüchern auch wissenschaftliche Zeitschriften (Journals), Fachdatenbanken, Normen und vieles mehr. Neben der Bereitstellung von Informationen ist die Bibliothek auch dafür verantwortlich, dass Möglichkeiten zur Verwaltung und Publikation von Forschungsdaten geschaffen werden. Ein Beispiel dafür ist der OPUS-Server der Universitätsbibliothek Würzburg, auf dem z.B. Dissertationen veröffentlicht werden. Außerdem gehört auch die langfristige Aufbewahrung von Informationen zur Aufgabe von WBs mit Archivfunktion – typischerweise sind das Universitäts- und/oder Regionalbibliotheken. Die klassische Archivierung findet vor allem in den sogenannten Magazinen statt: Räume mit zum Teil speziell angepassten klimatischen Bedingungen für die wertvollen und alten Bücher, die in Rollregalen aufbewahrt werden. Zunehmend werden auch Konzepte zur Langzeitarchivierung von digitalen Inhalten entwickelt.

Öffentliche Bibliotheken: Öffentliches Wohnzimmer und Veranstaltungsort

Ganz anders ist es in der öffentlichen Bibliothek: Hier ist das Publikum breit gefächert und bunt gemischt. Danach richtet sich auch das Angebot der Bibliotheken: In den Regalen finden sich Tonies, Krimis, Romane auf Arabisch, Spiele, CDs und sogar Instrumente. Die Stadtbücherei Würzburg hat in Level 3 sogar ein Podcast-Studio und stellt kreative Werkzeuge wie einen 3D-Drucker zur Verfügung. Die Idee dahinter ist das Konzept des sogenannten „Dritten Orts“: Nach dem eigenen Zuhause als erstem Ort und der Arbeitsstelle als zweitem Ort sollen Einrichtungen wie öffentliche Bibliotheken quasi ein Wohnzimmer für alle sein – ein konsumfreier Ort, der vielfältig genutzt werden kann, ob zum Entspannen, Stöbern oder Lernen. Daneben hat die Bücherei auch einen Auftrag zur Förderung von Bildung und Medienkompetenz, der sich an alle Nutzer:innengruppen richtet. Das schlägt sich vor allem in dem umfassenden und vielfältigen Veranstaltungsprogramm der Stadtbücherei Würzburg nieder. Hier haben wir die volle Bandbreite miterleben dürfen, von den Bücherbabys, Trickfilmworkshops oder Intergalaktischen Führungen bis hin zu Smartphone-Kursen für Senior:innen.

Bücher und ihre “Adressen”

Jetzt bleibt nur noch eine Frage, die euch wahrscheinlich unter den Nägeln brennt: Was ist diese Regensburger Verbundklassifikation, die wir zu Beginn erwähnt haben? Damit ist das System gemeint, nach dem die Bücher in den meisten wissenschaftlichen Bibliotheken in Bayern aufgestellt werden. Jedes Buch besitzt dort eine einzigartige Adresse: Die Signatur als eindeutigen Identifikator. Diese ergibt sich aus dem Themengebiet des Buchinhalts. Die Idee dahinter ist, dass innerhalb der Themen auch Untergruppen numerisch gebildet werden können. Im Regal steht dann z.B. die Primärliteratur zu „Johann Wolfgang von Goethe“ (also seine Werke selbst) vor der über ihn verfassten Sekundärliteratur.
Uns ist in der Stadtbücherei direkt aufgefallen, dass die Signaturen der Medien nicht individuell vergeben werden, sondern sich nach dem Verständnis der Nutzer:innen richten. Der Anspruch ist nicht, tiefer thematisch einsteigen zu müssen, sondern Genres und Autor:innen schnell auffindbar zu machen. Ein Grund dafür ist auch, dass der Bestand in den öffentlichen Bibliotheken viel schneller ausgetauscht wird als in wissenschaftlichen Bibliotheken. Daher ist eine einzigartige Signatur für jedes einzelne Medium nicht notwendig.

Die Vielfalt von Bibliotheken

Bevor es jetzt zu bibliothekarisch wird, kommen wir schnell zum Fazit unseres kleinen Vergleichs: Die Bibliothekslandschaft ist sehr vielfältig und genau das macht ihren Reiz aus! Die unterschiedlichen Aufträge, die diese beiden Bibliotheksformen haben, wirken sich auf die Gestaltung der Räume und die Präsentation der Medien und vor allem auf das Veranstaltungsprogramm aus. Was für uns als angehende Bibliothekarinnen das Spannendste war, ist die Tatsache, dass sich dadurch auch der Arbeitsalltag der Mitarbeiter:innen der wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken stark unterscheidet. Wer hätte gedacht, dass Mitarbeitende in öffentlichen Bibliotheken in starken Maß Arbeiten des Veranstaltungsmanagements und der sozialen Arbeit wahrnehmen? Wir sind sehr dankbar dafür, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen!

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Ein Blick über den wissenschaftlichen Brillenrand hinaus in die Öffentliche Bibliothek
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