Foto: Simone Hawlisch

Liebe Karla, wir freuen uns sehr, dass Du am 29. November zu uns in die Stadtbücherei kommst um die besten Bücher des Jahres vorzustellen!

Ich freue mich auch sehr – wobei es selbst für mich durchaus eine große Herausforderung ist, aus all den guten Büchern in diesem Jahr die besten oder zumindest eine sehr lesenswerte Auswahl herauszusuchen. Leicht fiel mir das nicht gerade. Aber nun ist hoffentlich für jeden LeserIn etwas dabei!

Du bist ja in vielen Städten unterwegs, mit verschiedenen Programmen. Aber Würzburg ist und bleibt eine besondere Stadt für Dich, oder?

In Würzburg bin ich aufgewachsen, hier kenne ich jeden Winkel, jede Gasse. Natürlich hat sich seitdem viel verändert – Ihr habt ja auch umgebaut – aber das Gefühl des Ankommens, wenn ich aus dem Zugfenster die Festung über der Stadt sehe, das bleibt.

Inzwischen lebst Du in Hamburg, gibt es etwas, dass Du aus der Würzburger Zeit vermisst?

Gute Krapfen! Picknick auf den Mainwiesen! Weinfeste! Meefischli essen und in Veitshöchheim Eis! Die alte Mainbrücke! Ach, es ist wirklich viel. Ich habe zwischendurch auch zehn Jahre in München gelebt, arbeite öfter in Berlin, bin mittlerweile beruflich in ganz Deutschland unterwegs und wohne seit fünf Jahren in Hamburg. Jede Stadt hat für sich etwas Besonderes, das würde ich nicht miteinander vergleichen wollen. In Würzburg steckt für mich jeder Ort voller Erinnerungen, das wird keine Stadt mehr aufholen können. Aber trotzdem war es für mich damals wichtig für das Studium zu gehen, etwas Neues zu entdecken und mich weiterzuentwickeln. Auch heute treibt mich das noch an. Glücklicherweise kann ich ja aber jederzeit in den Zug steigen und Richtung Unterfranken aufbrechen, wenn mich die Sehnsucht packt – meine Eltern halten weiterhin ein Zimmer für mich bereit!

Hast Du damals auch schon die Stadtbücherei besucht?

Die Stadtbücherei war für mich der erste Ort, an dem ich mit AutorInnen persönlich in Kontakt kam und wo ich meine Leidenschaft tatsächlich aktiv teilen konnte. Da ich ja schon von Kindheit an sehr viel gelesen habe, war das Treffen mit den SchriftstellerInnen und ein dazugehöriger Austausch für mich wie für andere Jugendliche ein Meet & Greet mit den Bravo Stars. Dort schrieb ich meinen ersten Lesungsbericht für die MainPost und es entstand der Gedanke, dass auch für mich eine Arbeit mit Literatur möglich sein könnte. Natürlich hatte ich keine Ahnung, dass ich viele Jahre später selbst dort auftreten würde – umso mehr freue ich mich heute darüber.

In welcher Ecke der Bücherei hat man Dich am häufigsten angetroffen?

Tatsächlich hatte ich noch nie besondere Vorlieben. Als Kind bzw. Jugendliche habe ich alles gelesen, was ich in die Hände bekam – vom Sachbuch über Krimi und Fantasy, ich fand alles spannend, all diese Welten waren neu für mich und entdeckenswert. Ich lungerte auch gern am Tisch der Bücher rum, die gerade zurückgegeben wurden und noch nicht wieder einsortiert waren. Was lesen andere Menschen so und weshalb wohl? Nur im Bereich Naturwissenschaften und Mathematik, da muss ich ehrlich sein, war ich eher seltener zu finden …

Dein Leben dreht sich ja fast komplett um Bücher, Du liest sie nicht nur, sondern arbeitest auch mit ihnen. Warum sind gerade Bücher Deine große Leidenschaft?

Als neugieriger Mensch gibt es für mich keine schnellere, günstigere und vielfältigere Möglichkeit die Welt zu entdecken, als über die Literatur. Bis heute empfinde ich mich selbst als eher langweilig und die Gedanken, Empfindungen und Sichtweisen Anderer als weitaus spannender. Mich kenne ich bereits relativ gut, ich verbringe häufiger Zeit mit mir – aber wie sind eigentlich die Anderen so? Wie fühlen sie, wie denken sie, wie handeln sie und warum? Ich kann mit Büchern sogar in der Zeit zurückreisen und meine Gestalt verändern, kann viel über die Entstehung und Veränderung unserer Gesellschaft lernen, kann wenigstens ansatzweise ein Verständnis für aktuelle Vorgänge entwickeln. Das beschränkt sich nicht nur auf Bücher, ich lese auch sehr viele Zeitungen, national wie international und höre Podcasts. Wenn man damit erst einmal angefangen hat, entsteht ja auch ein ganz großartiger Teufelskreis – mit jeder gewonnenen Information kommen bei mir neue Fragen auf, die wiederum nach Antworten verlangen.

Allerdings habe ich lange unterschätzt, wie wichtig der ergänzende eigene Blick auf die Welt ist und dass es nicht ausreicht, sich mit fremden Informationen zu füttern, wenn die Kompetenz zur Einordnung fehlt. Wer schreibt das und warum? In welcher Situation ist dieser Bericht, dieser Roman entstanden? Weshalb gefällt er mir oder nicht? Bestätigt das nur meine Meinung oder bin ich tatsächlich bereit mich auf eine andere Sichtweise einzulassen? Dass die Literatur mit der eigenen Erfahrung und dem Überwinden eigener Muster nochmal an neuem Wert gewinnt, wurde mir erst vor einigen Jahren klar.

Du bezeichnest Dich selbst als Literaturlobbyistin, oder auch Buchinfluencerin. Das sind keine alltäglichen Bezeichnungen, was können wir uns darunter vorstellen?

Ich engagiere mich auf vielen möglichen Wegen für die Literatur. Ich twittere und instagrame, halte Vorträge, bespreche Bücher, habe einen Bücher Podcast und eine Literaturshow, schreibe selbst Artikel darüber und führe Interviews, moderiere Lesungen. Immer wieder habe ich neue Ideen oder es entstehen neue Möglichkeiten rund um die Seiten. Irgendwann fragte mich dann mal ein Journalist nach einer Berufsbezeichnung, ich sollte mich festlegen. Da all die verschiedenen Aktivitäten aber nicht auf eine Visitenkarte passen, habe ich den Beruf der „Literaturlobbyistin“ erfunden, um das ein bisschen besser zu sammeln.
„Influencerin“ ist ein von Medien verwendeter Begriff, der mir von außen zugeschrieben wird. Er steht normalerweise für jemanden, der online viele Menschen in einem gewissen Bereich beeinflusst – was auf mich hoffentlich zutrifft. Nur bewerbe ich eben weder Schminke noch Eiweißshakes oder Mode, sondern Literatur. Wenn das Andere zum Lesen oder zur Auseinandersetzung mit Büchern und all den Menschen und Vorgängen dahinter inspiriert, freue ich mich natürlich sehr!

Wer sich abgesehen von unserem Buchvorstellungsabend Bücher von Dir empfehlen lassen möchte, findet Dich auf den verschiedensten Kanälen. Verrätst Du uns ein paar Beispiele, wo man Dich lesen, hören und sehen kann?

Am aktivsten bin ich in den sozialen Netzwerken, d.h. auf Instagram, Twitter und Facebook, man findet mich aber auch auf Linkedin, über meine Homepage, meinen Podcast „Long Story Short“ auf den gängigen Aboportalen und vieles mehr. Einfach auf der jeweiligen Plattform meinen Namen eingeben, dann wird man schnell fündig!

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Vielen Dank für die Einblicke in Deine Welt der Bücher. Ich bin jetzt sicher nicht alleine mit der Neugierde, welche Neuerscheinungen Du uns am Buchvorstellungsabend präsentieren wirst! Wir freuen uns sehr, Dich bald persönlich in Würzburg begrüßen zu dürfen.

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Interview mit „Buchkolumne“ Karla Paul
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